20-jähriges Jubiläum

20-jähriges Jubiläum

20 Jahre Stiftung Ökumenisches Lernen ‒ 20 Jahre lang der Welt begegnen. Ende August 2016 feierte die Stiftung ihr Jubiläum mit einer Party, einem Festgottesdienst, einer Wanderung im Harz und einem Begegnungsseminar in Wittenberg. 


Sucht man nach einer Zusammenfassung der Feierlichkeiten, findet man diese im letzten Satz des Interviews, das der Gründer und Geschäftsführer der Stiftung, Harald Welge, für das kürzlich erschiene Jubiläumsbuch gegeben hat: „Das Prägende ist echtes Lernen. Durch das Zusammenkommen unserer Stipendiaten und durch die Zeit in den Partnerkirchen kommt es zu Veränderungen. Darüber bin ich froh. Denn unser Stiftungsziel, dem Frieden, dem Shalom, näher zu kommen ‒ das geschieht durch unsere Begegnungen, dass wir uns mit anderen Menschen befassen und die anderen sich mit uns befassen ‒ in einem Miteinander.“

Freitag, 26. August: Party!

Zu Beginn des Jubiläumswochenendes trafen sich die aktuellen und ehemaligen Stipendiaten sowie die jungen Gäste, die anlässlich des Jubiläums aus den Partnerkirchen in Namibia und Tansania nach Braunschweig kamen, in Timmerlah. Harald Welge und Jacob Kriegel haben die Party, mit der die Feierlichkeiten begannen, gemeinsam mit den Stipendiaten organisiert. Bei sommerlichen Temperaturen bot der Abend den ca. 150 Gästen einen angenehmen Rahmen für anregende Gespräche und einige Wiedersehen mit Alumni oder bekannten Gästen aus den Partnerkirchen. Ein kulinarischer Rundumschlag aus der beliebten Käse- und Kuchenauswahl, Fleisch und Gemüse vom Grill und natürlich den selbstgemachten Cocktails trug durch den Abend, sodass noch bis zu später Stunde die aufgebaute Tanzfläche vor dem Timmerlaher Gemeindehaus gefüllt blieb. Wer davon eine Pause machen oder es ruhiger haben wollte, konnte unter einem der Pavillons oder am Lagerfeuer Platz nehmen.

Ebenfalls im Laufe des Abends fanden Planungen für den folgenden Festgottesdienst statt und eine besondere Premiere: Die Präsentation des druckfrischen Jubiläumsbuchs.



Sonntag, 28. August: Festtagsgottesdienst

Aktuelle und ehemalige Stipendiaten, Mitglieder aus Vorstand und Kommission, Oberlandeskirchenrat Thomas Hofer als Vertretung des Landesbischofs, Eltern, Gemeindemitglieder aus Timmerlah, Freunde und Unterstützer der Stiftung fanden sich am Sonntag in der Zwiebelturmkirche in Timmerlah ein, um den Festgottesdienst zu feiern.

Jürgen Franke, Vorstandsvorsitzender der Stiftung, ging in seiner Rede auf die Geschichte der Stiftung als die Geschichte einer Innovation ein und veranschaulichte die Stiftungsarbeit und die Erfolge in den letzten 20 Jahren. Dabei begriff er das Anliegen des ökumenischen Lernens als Chance für die Stipendiaten. Die Stiftung Ökumenisches Lernen sei als Stiftung einer Landeskirche in Deutschland recht einmalig. Das betonte auch Thomas Hofer in seinem Grußwort. Augenzwinkernd nahm er Bezug auf die Sucherergebnisse einer Online-Suchmaschine ‒ zur Freude des Publikums. Beide Redner blickten auf die innovative Idee der Stiftung und waren sich im Hinblick auf den Ideengeber und Gründer, Pfarrer Harald Welge, einig: Ohne ihn wäre die Stiftung heute nicht dort, wo sie ist. Bis heute würde Welge durch sein Engagement das Stiftungsleben auf die Beine stellen.

Die ehemaligen Stipendiaten sprachen über das, was sie während ihrer Zeit in den Partnerkirchen und Partnerprojekten geprägt hat. Vor allem die Menschen, denen die Stipendiaten im Ausland begegnet waren, gehörten dazu. Diese Menschen hätten die jungen Freiwilligen inspiriert, zum Nachdenken gebracht, berührt und auf unterschiedliche Weisen erreicht. Die beiden Gäste aus Namibia und Tansania, Nancy und Jason, sprachen über ihre Eindrücke während ihres Besuchs. Harald Welge predigte zur Weihnachtsgeschichte. Die Weihnachtsgeschichte, die wir alle aus Lukas, 2 kennen. Mitten im Sommer. Denn es ginge um Begegnungen und um das, was jeden Menschen mit einem anderen verbindet und zugleich um das, was jeden individuell macht. Die Beziehung dieser beiden Phänomene diskutierte Pastor Welge in seiner Predigt. Als Zuhörer konnte man sich selbst in Bezug zur Predigt von Harald Welge setzen und zugleich erzählte er in übertragener Weise die Geschichte der Stiftung. Nachdem der Gottesdienst mit einem Abendmahl endete, gab es einen kleinen, festlichen Empfang mit Kaffee und Kuchen im Pfarrgarten, der abermals Raum für Gespräche und Begegnungen bot.



Montag, 29. August: Wandern im Harz

Der Achtermann ‒ so lautete das Tagesprogramm, zu dem Eltern, aktuelle und ehemalige Stipendiaten und die Gäste aus den Partnerkirchen eingeladen waren. Nach einiger Zeit für die letzten Vorbereitungen, einem letzten Materialcheck das Einschwören auf das Gipfelziel, wurde die Wandergruppe nach und nach vollständiger und die Wanderung konnte losgehen. Zunächst ging es mit dem Auto in den Harz ‒ ein technisches Problem mit Harald Welges Auto löste er spontan, indem er es parkte. So konnte das Auto am nächsten Tag zur Reparatur gebracht werden und der Ausflug nur mit geringer Verspätung beginnen. Bei bewölktem Wetter am Fuße des Achtermanns angelangt, begann der Aufstieg. Unser Namibischer Gast Jason interessierte sich besonders für die Bäume und die Forstwirtschaft im Harz, während die Gruppe durch die nasse, grüne Landschaft schritt. Am Gipfel des Achtermanns war es wolkig, windig und stürmisch. Dennoch gab es einen kleinen Ausblick auf den Harz und die Umgebung. Dieser Ort lud zu einer kurzen Pause ein. Auf dem Rückweg kam die Gruppe an einer alten Panzerstraße vorbei: Das militärische Relikt stammte aus der Zeit der deutschen Teilung. Für Nancy und Jason bot sie Gelegenheit, Fragen zur neusten deutschen Geschichte zu stellen und von Zeitzeugen etwas über die Praxis der sogenannten „Grenzabfertigungen“ zu erfahren. Das anschließende gemeinsame Essen als Abschluss der Fahrt, bot dann Gelegenheit, die Gespräche unter gastlicheren Umständen fortzusetzen.



30. August – 04. September: Wittenberg

Um das Stiftungsjubiläum mit einer besonderen Begegnungsfahrt abzurunden, fuhren wir gemeinsam mit unseren Gästen Nancy und Jason für einige Tage nach Wittenberg und Berlin. Zu uns stieß Uri Themal aus Kiryat Tivon, der Partnerstadt Braunschweigs in Israel. Insbesondere für unsere thematische Arbeit sollte er als Rabbi eine große Hilfe sein, denn es ging um Micha 4: „Schwerter zu Pflugscharen“. Von allen Stiftlingen unzählige Male vor jeglichen Stiftungsmahlzeiten gesungen, sollten die Worte und die sie umgebenden Verse mit Inhalt gefüllt werden. Nicht zuletzt durch ein Bibliodrama, angeleitet durch Christian Anton, in Erinnerung an das erste aller Seminare auf der Huysburg. Wir fragten uns, was dem Text heutzutage für eine Tragweite zukommt, wo seine internationale Bedeutung zu verorten ist und wo für uns persönlich Anknüpfungspunkte bestehen. Nach langen Überlegungen und Diskussionen stand am Ende die größte aller Aufgaben: Wir sollten den Text in unseren eigenen Worten vergegenwärtigen: Was genau bedeutet er in einer Zeit, in der Krieg in den Nachrichten ein allgegenwärtiges Thema ist, dies aber längst nicht mehr das „einzige Schwert“ ist?

Neben der Beschäftigung mit dem Bibeltext stand ein Besuch der Hauptstadt im Zentrum unserer Fahrt. Dort angekommen, waren wir im Bundestag mit den Braunschweiger Abgeordneten von SPD und CDU verabredet. Neben einer Einführung zur allgemeinen bundespolitischen Arbeit wurde vor allem über Themen der sozialen Gerechtigkeit diskutiert und es kam in beiden Gesprächen zu einem intensiven Austausch. Anschließend zeigten wir unseren Gästen einige Sehenswürdigkeiten Berlins, das Brandenburger Tor, das Holocaust-Denkmal sowie Überreste der Berliner Mauer durften als wichtige Mahnmale deutscher Geschichte nicht fehlen. Abends, wiederum in alter Tradition, lud die Stiftung zum indischen Essen ein. Bei einem geselligen Abend konnten wir den Berliner Spätsommerabend mit einem Lassi, einem indischen Joghurtgetränk, in der Hand genießen ‒ der geselligen Abende sollte es nicht der letzte sein, Wittenberg machte sich bei uns mit einem wundervollen Irish Pub beliebt.

Wittenberg selbst erkundeten wir innerhalb einer Stadtführung, angeleitet von einer ehemaligen Stipendiatin Sonja Dreyer. Auf den Spuren des großen Reformatoren erkundeten wir die Stadt anhand des Luther- und Melanchthon-Hauses, der Stadt- und Schlosskirche, des Rathauses sowie der Gebäude Cranachs. Um – so kurz vor Beginn der Reformationsdekade – den Örtlichkeiten auch spirituell nachzuspüren, schlossen wir unsere Reise mit einem Besuch des Gottesdienstes in der Wittenberger Schlosskirche ab ‒ ganz im Geiste der Stiftung eventuell mit der einen oder anderen Minute Verspätung.



Seit 20 Jahren schafft die Stiftung Möglichkeiten, der Welt um einen herum zu begegnen. Davon waren auch die Veranstaltungen des Jubiläums geprägt. Die Teilnehmer konnten einander nicht nur begegnen, sie konnten einander kennenlernen, versuchen, sich miteinander oder mit etwas zu identifizieren ‒ also voneinander zu lernen ‒ ökumenisch zu lernen. Das erinnert an das zitierte Interview mit Harald Welge. „Bei all den Unterschieden gehören wir dazu wie der Lutherische Weltbund das in diesem Satz wunderbar zusammenbringt: ‚Einheit in der Vielheit‘“, so erklärt Harald Welge das Anliegen der Stiftung. Blättert man im Jubiläumsbuch ein paar Seiten zurück auf den Titel des Buchs, liest man dort einen Wunsch für die Zukunft der Stiftung Ökumenisches Lernen: Die Welt entdecken.

von Rebekka Gottwald, Jacob Kriegel und Michael Brandt