Ausschreibungsthema 2020-21

Auch in diesem Jahr stellen wir Dir zwei Themen vor. Du hast die Wahl, welches Thema Du entwickeln möchtest…

AUSSCHREIBUNGSTHEMA 1

„Wenn ich schwach bin, so bin ich stark.“ – 2. Korinther 12,10

Eine wirkliche Geschichte. Ein schöner sommerlicher Nachmittag. Mit meiner Freundin zusammen gehe ich über die Masch, den Braunschweiger Rummel an der Hamburger Straße. Wir vergnügen uns wie 18jährige sich vergnügen mit Achterbahn, Auto-Scooter und Geisterbahn. Es ist später Nachmittag als wir zum Auto gehen. Auf dem Weg ist es ruhig, keine weiteren Menschen zu sehen, wir hören von hinten langsam und immer ein bisschen lauter werdende Stimmen. Männerstimmen. Jetzt gehen sie neben uns, einer von ihnen rempelt mich an. Sie sind betrunken. Wir beschleunigen unseren Schritt, um schnell zum Auto zu kommen. Die Männer folgen mir. Ich gebe meiner Freundin meinen Autoschlüssel und sage, sie solle in das Auto einsteigen. Ich spüre den ersten Schlag. Direkt vor dem Auto haben die drei Männer, so alt wie wir, mich umkreist. Ich spüre den zweiten Schlag ins Gesicht, es folgt der Schlag in den Bauch. Ich höre die aggressiven Stimmen, ich überlege zurückzutreten, auch zu schlagen, und ich höre in mir die Worte, ich schlage nicht zurück, ich werde mich nicht wehren.

Plötzlich ruft einer von den Dreien, hört auf! Der tut doch nichts. Der zweite stimmt zu, gerade soll ich den nächsten Schlag kriegen, da geht der Eine dazwischen und reißt ihn zurück. Sie lassen von mir ab, gehen weiter, einer von Ihnen ruft noch, tut mir leid, Schuldigung.

Wer war hier schwach, wer war hier stark?  Sind hier unterschiedliche Kräfte aufeinandergestoßen?

Hatte der Geschlagene erkannt, dass er körperlich unterlegen war und eine Strategie der Gewaltlosigkeit übte; war es eine innere Haltung aus der Schwachheit heraus. Die Erkenntnis die eigene Schwachheit wahrzunehmen und anzunehmen, so daraus eine Stärke zu gewinnen, sich anzunehmen mit seiner Schwachheit.

Die gerade sehr aktuelle Resilienzforschung stellt sich die Frage, woher Menschen in schwierigen Situationen eine Kraft zeigen, die kaum erklärbar ist.

Wie gehe ich mit meiner Stärke und mit meinen Schwäche um? Mit meinen Begabungen und mit meinen Defiziten. Schwachheit verhindert Überheblichkeit und führt zur Demut.

Gerade haben wir Weihnachten gefeiert, dass Gott als Säugling geboren wird, am Kreuz getötet.

Der Apostel Paulus schreibt im 2.Korintherbrief, Kapitel 12, Vers 10: „Wenn ich schwach bin, so bin ich stark.“ Wahrscheinlich wird jeder Mensch in seinem Leben seine Stärken und seine Schwächen erfahren; wie erfahre ich das in meinem Leben? Wie gehe ich damit um?

AUSSCHREIBUNGSTHEMA 2

„Ihr trinkt den Wein kübelweise und verwendet die kostbarsten Parfüme; aber dass euer Land in den Untergang treibt, lässt euch kalt.“ – Amos 6,6

Der Prophet Amos ruft vor 2800 Jahren eine Sozialkritik aus, die noch heute aktuell scheint.

Die Reichen und die Armen. Wenn ich genauer hinsehe, lässt sich Amos Kritik auf unsere Zeit übertragen? Gilt das für die Verteilung von armen und reichen Ländern in unserer Welt, trifft das auch auf Schule und Bildung und soziale Standards in unserer eigenen Gesellschaft? Welche Rolle spielt die Bewahrung oder die Erschöpfung der Erde für uns, wenn die Schöpfung nicht mehr atmen kann und der Untergang die Zukunft wird? 

Welche Rolle spiele ich in diesem Drama? Bin ich reich und doch arm? Bin ich arm und doch reich?  Lässt es uns kalt? Oder werden wir hitzig dagegen kämpfen?

Nach fast 3000 Jahren spricht uns Amos an. Wie antworten wir ihm, oder wollen wir ihm überhaupt eine Antwort geben? Im Buch des Propheten Amos kannst Du im 5.und 6. Kapitel seine Meinung lesen.

JETZT BIST DU DRAN!

Gleich, welches Thema Du wählst, eine Fülle von Themen eröffnen sich. Nimm Dir Zeit, dich mit deinem Thema auseinanderzusetzen. Was fällt Dir dazu ein? Szenarien, dein eigenes Lebensfeld, Konflikte und Lösungen, Persönlichkeiten, Initiativen. Vielleicht kannst Du manches im Gespräch mit deinem Freund, deiner Freundin oder deinen Lehrer*innen klären und weiterentwickeln. Bestimmt findest Du Beispiele aus dem Weltgeschehen oder vor Ort. Gib deinen Gedanken und Empfindungen  Raum: ob Skulptur oder ein Spiel, ob Text oder Bild, ob Gedicht, Drama oder Tagebuch; Abhandlung oder  Humor, ob Musik oder Film…Die Möglichkeiten der Umsetzung deiner Gedanken in eine konkrete Gestalt sind unbegrenzt – im Gegensatz zum Abgabetermin:

BIS MONTAG, 12. APRIL 2021

musst Du dein Ergebnis an die Stiftung Ökumenisches Lernen, Kirchstraße 12, 38120 Braunschweig geschickt haben. Wenn Du mit einer anderen Person eine Partnerarbeit erstellen willst (max. 2 Personen), melde Dich bitte beim Geschäftsführer Harald Welge: Tel. 0531 842208. Solltest Du keiner Kirche oder christlichen Gemeinschaft angehören, bist Du auch willkommen und kannst Dich mit der Teilnahme um einen Stipendienplatz bewerben. Falls Du einer anderen Religion angehörst, solltest Du dich mit dem Geschäftsführer (s.o.) in Verbindung setzen.

Damit wir wissen, wer an diesem Wettbewerb teilnimmt, bitten wir ich uns Deine Anschrift mitzuteilen und Dich anzumelden. Vielleicht weißt Du auch schon, für welche Form (Comic, Video, Hörspiel, Musik…siehe Infoflyer) Du Dich entscheidest; dann kannst Du es uns mitteilen. Wir lassen uns aber auch gern überraschen. Wir sind gespannt auf Dein Ergebnis und wünschen Dir anregende Gespräche und sprudelnde Ideen. Bitte sende uns möglichst bis zum 22. März 2021 Deine Anmeldung zu. Auch spätere Anmeldungen sind noch möglich – bis zum Abgabetermin.

Hier geht es zum Anmeldeformular